Die Morphologie ist eine der wichtigsten Methoden der digitalen Bildverarbeitung . Sie wurde Mitte der 60er Jahre in Frankreich im Zusammenhang mit der Analyse poröser Medien entwickelt. Der 1967 von G. Matheron veröffentlichte Artikel Eléments pour une théorie des milieux poreux markiert auch den Beginn der Entwicklung einer theoretischen Forschung - den Beginn der mathematischen Morphologie. Die außerordentlich großen Erfolge kommerzieller Bildverarbeitungssysteme in den frühen 70er Jahren sind sicher auf die konsequente Anwendung der Morphologie zurückzuführen. Besondere Verdienste bei der Popularisierung der Morphologie hat Jean Serra, dessen 1982 erschienenes Buch Image Analysis and Mathematical Morphology sehr viele Leser gefunden hat.
Pierre Soille hat mehrere Jahre in der Gruppe von Jean Serra am weltbekannten Centre de Morphologie Mathématique der Ecole des Mines de Paris gearbeitet. Er war danach einige Zeit in der von Mark Berman geleiteten Bildverarbeitungsgruppe der Mathematical and Information Sciences Division, Commonwealth Scientifical and Industrial Research Organization in Sydney und später in der Abteilung Mustererkennung des Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik in Berlin tätig. Jetzt ist er Mitarbeiter an der Ecole des Mines d'Alès-EERIE in Nîmes. Pierre Soille gilt als einer der renommiertesten Vertreter der Anwendung der mathematischen Morphologie in der Bildverarbeitung.
In dem vorliegenden Band gibt Pierre Soille zunächst eine Einführung in Grundlagen der Morphologie. Wichtige Begriffe wie Erosion, Dilatation, Öffnung und Abschließung werden dem Leser sehr sorgfältig und mit großem didaktischen Geschick vermittelt. Im Mittelpunkt stehen jedoch die Anwendungen der Morphologie in der Bildverarbeitung. Deren Vielfalt ist überraschend. Sie reichen von der Skelettierung über die Filterung und Segmentierung bis zur Klassifikation. Es wird gezeigt, daß sich wichtige bildanalytische Probleme der quantitativen Gefügeanalyse von Werkstoffen wie die Objekttrennung oder die Rekonstruktion von Korngrenzen mit morphologischen Methoden lösen lassen.
Die morphologischen Methoden werden an einer Reihe von Beispielen erläutert. Außerdem ist das Buch hervorragend illustriert und enthält für den Leser viele Hinweise und Anregungen. Das Buch ist deutschsprachig, womit der Autor offenbar auch der Tatsache Rechnung getragen hat, daß morphologische Methoden im deutschsprachigen Raum nach wie vor nicht die Beachtung gefunden haben, die sie verdienen. Es wird unter Anwendern der digitalen Bildverarbeitung sicher eine breite Leserschaft finden.
Joachim Ohser, Kaiserslautern
Erstes Buch über die immer wichtiger werdenden morphologischen Methoden in der Bildverarbeitung in deutscher Sprache. Die Verfahren sind mathematisch anspruchsvoll, der Autor stellt jedoch zunächst die Anwendungen vor und geht dann (nur auf das notwendige) mathematische Handwerkszeug ein.